Seit drei Tagen liegen wir in Skagen, der nördlichsten Stadt Dänemarks. Sie ist umgeben von Sandstränden und -Dünen. An der Nordspitze treffen Skagerrak und Kattegat aufeinander. Ein wahrer Zungenbrecher und dann noch zu wissen welcher Name wohin gehört. Für alle denen es ähnlich wie mir geht:
Um nach Skagen zu gelangen geht unsere Route erstmals nordwärts von Kopenhagen nach Gilleleje, einem Fischerhafen, wo jedoch Segelboote zwischen den Fischerbooten fast immer einen Platz finden. Mitunter sieht dies recht chaotisch aus und um einen sicheren Liegeplatz zu finden braucht es ein geschultes Auge. Der Wind pfeift kräftig, wir legen vorerst an einem etwas ungünstigen Platz an, sehen uns nach einem sicheren um,werden fündig und verlegen unsere Dada Tux. Man stelle sich das etwa so vor: Zwischen all den kleinen und grösseren farbigen Fischkuttern gibt es Liegeplätze für Boote, welche teilweise fest vermietet sind. Diese Plätze sind jeweils mit einem roten Viereck gekennzeichnet, die freien Plätze sind grün. Ob rot oder grün ist jedoch oft von aussen nicht oder dann nur ganz schlecht ersichtlich.
Seglerisch sind die Stecken von Kopenhagen nach Gilleleje, Gilleleje nach Getterön (Schweden), von Getterön nach Skagen abwechslungsreich, wir können grösstenteils segeln, mal mit einem Reff und / oder gereffter Genua, mal ohne, mit unterschiedlichen Windrichtungen, Wellengang… So lernen wir unsere neue Dada Tux immer besser kennen, ihr Verhalten (und unseres) in verschiedenen Situationen. Wir geniessen die langen Sommertage, verbringen den längsten Tag in Schweden; die Temperaturen dürften etwas höher sein (kein Vergleich mit den zur Zeit herrschenden Temperaturen in der Schweiz).
Nebst einem Erkunden der jeweiligen Gegend zu Fuss und/oder mit unseren Fahrrädern gehören einkaufen, Gespräche und/oder einen Drink mit den Nachbarn, Wäsche waschen, anfallende Arbeiten erledigen, Schiff, Schuhe oder anderes reinigen zu unserem Bord Alltag, ebenso wie neue Routen besprechen, Wind und Wetter beobachten...
In Skagen lernen wir ein schwedischen Paar kennen, Marie und Lars. Sie nehmen ein Jahr Auszeit und segeln mit ihrer Hallberg Rassy 31 Anemone bis zu den Kanaren um dann Ende Oktober mit „Sail the Odyssey“ mit anderen Segelbooten in die Karibik zu segeln. Wir verbringen einen interessanten, regen Nachmittag mit Austausch bei einem Glas Wein. In nächster Zeit werden wir in etwa die gleichen Strecken zurück legen und werden uns sicher ab und zu über den Weg laufen.
Das verschiedene Anlegen in den Häfen ist für mich immer wieder eine Herausforderung. In den Hafenbeschrieben ist oft nicht ersichtlich, wie man anlegen kann. So z.B. in Skagen. Es wird mit dem Heckanker, oder mit dem Buganker fest gemacht– falls man mit dem Heck an den Steg geht – dann werden die Schiffe (Motor- und Segelboote) dicht auf dicht bis zu 6, 7 Boote aufeinander geschichtet und gegenseitig vertäut. Will nun ein Schiff los, müssen alle anderen ebenfalls ihre Leinen neu organisieren. Je nach Wind und anderen Situationen kann das ganz schön dauern. Kommt wieder eines an und es herrscht etwas Platzmangel, zwängt sich das Boot einfach zwischen hinein. Dass dann der eine Anker über dem anderen liegt kommt immer wieder vor und sorgt zuerst für etwas Aufregung, in der Regel löst sich das Problem jedoch schadlos.
In Südnorwegen machen wir in Mandal fest, verbringen dort zwei Tage wegen Starkwind, erkunden den Ort, tanken Diesel, erledigen so allerlei rund ums Schiff.
Die Geschichte der wunderbaren Vermehrung von nm und Stunden.
Wir legen am Nachmittag in Mandal bei wunderschönem Wetter, ruhiger See und achterlichen Winden ab, so zu sagen ein „Sonntagssegeln“, der norwegischen Südküste entlang. Prognostisch sind östliche, nordöstliche und dann West drehende Winde angesagt mit 3-6 Bft. 340 nm beträgt die Luftlinie, resp. die Orthodrome und wir rechnen in gut drei Tagen in Inverness, Schottland, an zu kommen. Die ersten Stunden segeln wir wie gewünscht, mit immer etwas mehr Wind, auf Kurs. Der Wind dreht jedoch rascher als erwartet Richtung West und legt nochmals kräftig zu, ebenso die Wellen. Wir setzen ein Reff ins Gross, kurze Zeit später ein zweites und ein drittes, die Genua wird durch den Kutter ausgetauscht und sogar dieser wird nochmals etwas gerefft. Immer hart am Wind kreuzen wir Richtung Inverness, oft mit über 30 kn Wind. Wir treffen auf kein anderes Segelboot in den vier Tagen, wohl aber auf etliche Frachter, Fischerboote mit und ohne AIS (da sind wir in der Nacht froh um das Radar) und natürlich die recht zahlreichen Öl- und Gasplattformen in der Nordsee. Der Wind weht uns auf eine Plattform zu, wir sind gerade am Wenden (mitten in der Nacht, so dass ich Hansueli wecken musste) und werden über Funk angerufen. Da jedoch klar ersichtlich ist, dass wir die Situation erkannt haben und uns von der Plattform wegwenden gibt es keinen weiteren Funkkontakt. So werden aus 340 nm (Luftlinie) und einer „Reisezeit“ von ungefähr 80 Stunden 530 nm und 94 Stunden. Vor Inverness begrüsst uns ein Seehund. Begegnungen mit Tieren sind jedes Mal etwas faszinierendes und entschädigen für ein hart am Wind segeln. Wir passieren die See- und die Hafenschleuse, vertäuen das Schiff und ruhen uns vorerst in der Seaport Marina aus. Von Osten kommend ist Inverness der Anfang des Kaledonienkanals.
Kinderkrankheiten mit der neuen Dada Tux