Schriftgröße: +

Seebeine (ab Ende Oktober 2017)

Von Cherbourg bis Vigo, vorbei an drei berühmt – berüchtigten Eckpunkten: das Cap de la Hague, die Biskaya und das Cap Finistere.

Wir lassen die Leinen in Port Chantereyne bei Flut um 01:40 los . Ungefähr 600 sm liegen vor uns. Dazu kommen, was wir in diesem Moment noch nicht wissen, zwei pechschwarze Nächte, ohne Mond, ohne Sterne. Wir fahren einfach in ein schwarzes „Etwas“. AIS und Radar helfen uns in dieser Situation, selbstverständlich nebst einem guten Ausguck der Wache, uns sicher fühlen. Es hat wenig Wind dafür zieht uns die Strömung in die richtige Richtung und wir setzen das erste Mal unser neues Leichtwindsegel, den Code 0 und machen gute Fahrt am Wind.
In den übrigen klaren Nächten scheint der Halbmond in der ersten Nachthälfte und das Sternenmeer ist mit uns. Für Moni betrachten wir etwas länger die „Ampelsterne“.

Bei Tagesbeginn begrüssen uns die ersten Delfine und zeigen uns ihre variationsreichen Sprünge, ihr geschmeidiges Ab- und Auftauchen. Darüber freuen wir uns sehr. Immer wieder von neuem ist es ein unbeschreiblich schönes Erlebnis diesen Tieren begegnen zu dürfen.
Doch dann sind wir innerhalb weniger Minuten von dichtem Nebel umgeben und wir schalten unser Nebelhorn ein. Diese Situation erfordert nochmals vermehrte Aufmerksamkeit. Zum Glück bleibt er nicht lange.

BiskayaBiskayaBiskaya„Da – schau“, rufe ich kurz danach „Wale“. Tatsächlich sehen wir die ersten Wale seit wir unterwegs sind. Fünf, sechs oder mehr gleiten majestätisch nah am Schiff in die Gegenrichtung vorbei, ein eindrücklicher und bewegender Moment. Darauf warten wir schon lange. Alle bis jetzt angetroffenen Langfahrtsegler erzählen von diversen Walbegegnungen, nur wir können nicht mithalten. Das hat sich nun geändert.

TaubeTaubeBei immer weniger und wechselnden Winden werden wir für zahlreiche Stunden zu einem Motorsegler. Wir rufen die neuesten Wetterdaten über das Satellitentelefon ab, wechseln uns ab im Wache gehen. Der Wind dreht und kommt achterlich. Der Code 0 wird geborgen und unter dem extra angefertigten Fach für Code 0 und Parasailor unter der Vorschiffskoje verstaut. Vermutlich vor lauter Freude wieder unterwegs zu sein, kommt es uns gar nicht in den Sinn den Parasailor zu setzen. Er bleibt unter der Vorschiffskoje. Mit ausgebaumter Genua, ohne Gross „wackeln“ wir voran.
Die nächsten Wetterdaten zeigen jedoch ein anderes Bild – deutlich mehr Wind. Das heisst für uns, Grosssegel setzen und am Abend vorsorglich das erste Reff. Schon sind wir fast über der Biskaya, da fängt es heftig an zu blasen und das Cap Finistere zollt seinem berüchtigten Image alle Ehre. Reff 2, Reff 3, Kutter mit Backstagen an Stelle der Genua sind nun gefragt. Der Wellengang nimmt rapide zu. Und so rauschen und schaukeln wir, mit in den Böen knapp unter 40 Knoten Wind, unserem Etappenziel „Vigo“ entgegen. Zahlreiche Fischerboote, Frachter und Tanker erfordern nebst dem Starkwind und der Nacht unsere ganze Aufmerksamkeit.
Illa de MontefaroIlla de MontefaroGegen Morgen kommt unser Ziel näher. Die Sonne geht auf, ein wolkenloser blauer Himmel und der Ria de Vigo empfangen uns. Gegen 11.00 Uhr, nach 4 Tagen und 10 Stunden erreichen wir Vigo, wo wir in der Vigo Marina anlegen. Die Vigo Marina, auch Club Real Nautico, ist zentral gelegen. Wir haben Zugang zum Schwimmbad, der Sauna, dem Fitnesszenter dieses Club Real Nautico; echt komfortabel und nicht weit um zu Fuss die Stadt zu erkunden.

Vigo MarinaVigo MarinaContainer Hafen VigoVigo selbst ist die grösste Stadt in Galizien mit gegen 300000 Einwohner. Sie gilt als Hafen- und Industriestadt. Austern sind hier eine Spezialität. Teure Läden zieren die Einkaufstrassen im alten Stadtkern mit ihren schmucken Häusern mit den spanischen Balkonen. Eine einladende Stadt mit Schloss, dem Fluss „Ria de Vigo“, der grünen hügeligen Umgebung und natürlich den berühmten Islas Cies, zwei kleine geschützten Inseln mit Sandstrand, wo wir vor gut zwei Jahren geankert haben.

Zwischendurch etwas aus dem „Nähkästchen“:

Ein Loblied auf den altbewährten Handschuhwaschlappen.
In der Regel duschen wir und benötigen keinen Waschlappen. Nun, da wir Tage (und Nächte) unterwegs sind, ist das Duschen nicht immer so eine einfache Sache und oft behelfen wir uns mit einer Körperreinigung am „Brünneli“. Da leistet uns eben dieser etwas in Vergessenheit geratene Handschuhwaschlappen sehr gute Dienste und ich denke, dass, könnte er es denn lesen und/oder hören, sich darüber freuen würde.
Dafür gehen wir in Vigo mit Sonnenbrille zur nahe gelegenen Dusche (die ersten zwei Tage, dann regnet es und die Sonnenbrille fällt weg).

Fortaleza de el CastroFlaying MerlinNun heisst es jedoch zuerst Schiff klar machen, d.h. Reinigung innen und aussen. Das Rigg muss kontrolliert werden und so steigt Hansueli in den Mast, ich sichere ihn. Zudem werden die Wanten gereinigt und eine feine Dyneemaleine wird längs der Maststufen angebracht, damit sich keine Leine darin verhängt. Gefühlte Stunden baumelt Hansueli zwischen den Salings hin und her, hinauf und hinunter bis alles erledigt ist. Im Schiffsinnern heisst es die Bilgen nach Wasser kontrollieren, ebenso wie den Ölstand und das Kühlwasser. Natürlich darf die „normale“ Reinigung nicht fehlen, aufräumen, Wäsche sortieren…..

Wir gönnen uns jedoch auch Ruhe, lesen, hören Musik, bummeln durch die Stadt, entdecken hübsche Ecken, lernen Martin von der Flying Merlin kennen der mit der ARC über den Atlantik segelt, etwas in Eile ist und…..

Ungefähr die Hälfte der Strecke von Cherbourg bis Madeira liegt hinter uns, d.h. nochmals etwas über 600 sm bis Madeira, welche wir möglichst bald in einer nächsten Etappe angehen wollen. Porto Santo ist unser nächstes angestrebtes Ziel, die kleinere sich nordöstlich befindende Insel.

Täglich schauen wir die Wetterdaten an um in einigen Tagen weiter segeln zu können. So wie es ausschaut segeln wir am Sonntag los.

Unsere Seebeine wachsen wieder.

Überall ein bisschen Optimierungsbedarf
Cherbourg – adieu
 

Kommentare 3

Gäste - Ludwig Drapalik am Freitag, 03. November 2017 18:14
Dann mal fröhliches Weitersegeln

Passt auf und immer faire winds. Geniesst es ! Wir hören gerne wieder von euch!

Vy73 de Ludwig und Lotti, ex SY Eldorado, Tenerife

Passt auf und immer faire winds. Geniesst es ! Wir hören gerne wieder von euch! Vy73 de Ludwig und Lotti, ex SY Eldorado, Tenerife
Gäste - Ludwig Drapalik am Sonntag, 05. November 2017 00:33

Hou zäme

Was bedeuted Code 0 in euren Beschreibungen?
Pse info

Vy73 de Ludwig

Hou zäme Was bedeuted Code 0 in euren Beschreibungen? Pse info Vy73 de Ludwig
Hansueli am Samstag, 11. November 2017 00:20
Code 0 (Zero)

Salü Ludwig
der Code 0 gab es zu eurer Zeit, als du und Lotte mit eurere Elodrado - ich glaube 7 Jahre - auf der Welt unterwegs waren, noch nicht. Der Code 0 ist eine Leichtwind Genua. Unsere 'normale' Genua hat 42 m2, der Code 0 81 m2. Er hat eine mobile Rollanlage, der Hals wird vor der Genua am Budspriet eingehängt und am Spinnakerfall hochgezogen. Die Schoten laufen über eine Rolle am Heck auf die Winsch, wie bei einem Spinnaker. Er wird bei Am-Wind-Kursen bis so 12kn. Bis knapp querab zieht er noch, danach braucht es einen Spinnacker, Blister, Genaker, oder bei uns kommt dann der Parasailor hoch. Ausser wir sind zu müde für die Arbeit . Gibt es bei langen Überfahrten - vor allem in den ersten 3 Tagen - immer wieder.
Lieber Gruss aus Funchal (Madeira)
Hansueli & Helen

Salü Ludwig der Code 0 gab es zu eurer Zeit, als du und Lotte mit eurere Elodrado - ich glaube 7 Jahre - auf der Welt unterwegs waren, noch nicht. Der Code 0 ist eine Leichtwind Genua. Unsere 'normale' Genua hat 42 m2, der Code 0 81 m2. Er hat eine mobile Rollanlage, der Hals wird vor der Genua am Budspriet eingehängt und am Spinnakerfall hochgezogen. Die Schoten laufen über eine Rolle am Heck auf die Winsch, wie bei einem Spinnaker. Er wird bei Am-Wind-Kursen bis so 12kn. Bis knapp querab zieht er noch, danach braucht es einen Spinnacker, Blister, Genaker, oder bei uns kommt dann der Parasailor hoch. Ausser wir sind zu müde für die Arbeit ;). Gibt es bei langen Überfahrten - vor allem in den ersten 3 Tagen - immer wieder. Lieber Gruss aus Funchal (Madeira) Hansueli & Helen
Gäste
Sonntag, 19. Mai 2019

Sicherheitscode (Captcha)