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Von Valdivia in Chiles Norden, Perus Süden und zurück nach Valdivia

Die Dada Tux erwartet uns Anfang September wohlbehalten am Steg. Alles Gepäck wird verstaut; wir sind noch immer frohen Mutes, dass wir bald auswassern können, die Arbeiten des Antifoulings, des Propellerservices und der Wechsel der Anoden eine Kleinigkeit ist. Beim Nachfragen erfahren und sehen wir, dass das Holzboot, welches ursprünglich für 10 Tage an Land wollte, nun nach über 3 Monaten immer noch nicht Wasser tauglich ist. Mindestens mit Mitte Oktober müssen wir rechnen, so wird uns gesagt.

Pelikane warten auf FutterAntofagasta bemaltes HausAntofagasta bemaltes Haus Casa Gibbs
Antofagasta bemaltes Haus Casa GibbsAntofagasta FussgägerzoneSan Pedro Mondaufgang
San Pedro Vulkane Licancabur und Cerro JuriquesSan Pedro HochebeneSan Pedro Bergsee
Kurz entschlossen entscheiden wir per Flugzeug und Bus die Atacamawüste und einige andere «berühmte» Orte dieser Region zu besuchen. Hansueli bucht im voraus Busse und Hotels, so dass wir «ruhiger» los können (vor allem ich). Von Valdivia fliegen wir einige Tage später nach Antofagasta, einer der wichtigen Kupfer- und Silberminenstädte, gegründet 1868. Salpeterreichtum war in grossen Mengen vorhanden und wurde von ungefähr 1872 bis Ende des ersten Weltkrieges abgebaut. Die Stadt gehörte einst zu Bolivien, fiel jedoch nach dem Salpeterkrieg an Chile. Noch heute wickelt Bolivien einen Teil seines Seehandels in Antofagasta ab. Die erste Eisenbahnstrecke (1876) in die Wüste wurde gebaut unter englischer Federführung. Überbleibsel dieser Zeit, sind z.B. die alten Bahnhof- und Zollgebäude. Es gibt einen «Torre de Reloj» (Big Ben), eine Casa Gibbs in Mitten zweier Hauptstrassen. In Wandmalereien wird das Leben um 1900 originell dargestellt. Das Museo de Antofagasta «erzählt» anschaulich die vielseitige Geschichte dieses Ortes.

San Pedro VicuñaSan Pedro Piedras RojasSan Pedro rennendes Vicuña
Natürlich schauen wir uns die Marina an um zu schauen ob dies ggf. ein Ort auf der Durchreise für uns wäre. Der Club de Yates ist sehr elegant, mit Swimmingpool, einem exklusiven Restaurant, die Stege sind jedoch äusserst fragil, juckt ein Seelöwe hinauf kommt es zu einer Krängung von an die 45°. Dazu scheint viel Schwell im Hafen zu sein. Später erfahren wir von Bernhard und Werner der SY Black Forest, dass es an der Boje direkt hinter dem Ausflugsboot recht ruhig sein kann.

San Pedro Tatio GeysireSan Pedro Tatio GeysireSan Pedro Tatio Geysire
San Pedro Tatio Geysire17 San Pedro Tatio GeysireSan Pedro Tatio Geysire
Mit dem Bus (doppelstöckig – wir versuchen jeweils im oberen Stock die vordere Plätze – Panoramasicht -zu reservieren, was uns bis auf ein Mal gelingt) fahren wir landeinwärts bis nach Calama (gelbes Land), eine staubige Bergbaustadt auf 2200 Meter Höhe. Calama selbst liegt am längsten Fluss Chiles dem Rio Loa. Früher kamen Maultierkarawanen von Potosi, Salta auf dem Weg zur Küste vorbei. Dies deckt sich mehr mit meinen «idealistischen» Vorstellungen von Wüste, als die sehr gut ausgebauten Strassen die wir antreffen (auch wir reisen jedoch mit dem Bus und sind froh um «gute» Strassen). Wir steigen um nach San Pedro de Atacama, ein «Muss» in jedem Führer. Die Reise führt uns durch eine der schönsten Wüstenlandschaten: das Valle de la Luna, den Salar de Atacama, die Reserva Nacional los Flamencos, die Geysiere, Vulkane wie z.B der Licancabur (fast 6000 m). Wir unternehmen drei geführte Tagesausflüge, haben Glück mit den Reiseführern und erfahren viel über diese Gegend, auch über Fauna und Flora, die Wüste lebt in einer nicht zu unterschätzenden Vielfalt.

San Pedro Tatio GeysireSan Pedro Vega de PutanaSan Pedro Viscacha
Um die Höhe besser zu ertragen kaue ich Kokablätter, versuche diese, wie die Einheimischen, in einer Art Bolus zu verarbeiten, den Saft hinunter zu schlucken, und den Bolus möglichst rund und intakt aus zu spucken. Täglich fahren wir auf über 4000 m hoch, zu den Geysieren sogar auf über 4400 m. Der Wind pfeift uns um die Ohren und früh morgens ist es deutlich unter Null, mit Sonne dann jedoch wieder erträglich. Am zweiten Tag habe ich einen «Höhenkoller» und bin recht wackelig auf den Beinen. Nach 12 Stunden Schlaf geht es jedoch am andern Tag erstaunlich gut und ohne «Nachwehen», so dass ich den dritten Ausflug geniessen kann.

San Pedro Salar de AtacamaSan Pedro Salar de Atacama FlamingosSan Pedro Salar de Atacama Flamingos
In San Pedro de Atacama erleben wir die Vorfreuden des Nationalfeiertages (18., 19 und 20. September). Da der Nationalfeiertag (18.9.) der Tag der Armee (19.9.) dieses Jahr auf Mittwoch und Donnerstag fällt wird am 20.9. (Freitag) auch noch gefeiert. Festlich gekleidete Tanzpaare ziehen durch die Hauptstrasse gefolgt von «Fussvolk». Bei jedem Restaurant wird angehalten und die Besitzer servieren Wein für alle. Ich beobachte, dass jeweils der erste Schluck der Mutter Erde gespendet wird und so schliesse ich mich an. Eine schöne Geste, so wie die SeglerInnen dem Neptun einen Schluck opfern.

San Pedro Salar de Atacama FlamingosSan Pedro Salar de Atacama FlamingosSan Pedro Salar de Atacama
Ein Besuch in der Sternwarte ALMA, einem der weltweit grössten Observatorien wird uns nicht gegönnt. Die Eintritte dafür sind für Monate ausgebucht.

San Pedro Salar de Atacama Busfahrer und BegleiterinSan Pedro Salar de Atacama Wendekreis des SteinbocksSan Pedro Salar de Atacama Selfie mit Lama
Auf nach Iquique, wieder an die Küste, alles durch unterschiedliche Wüstengegenden. Eindrücklich ist die Fahrt durch eine riesige Düne, Gran Dragòn, vom Alto Hospizio, mit Blick über den Pazifik hinunter in die Stadt. Ein interessantes Projekt, eine Seilbahn, soll die beiden Städte Alto Hospizio und Iquique miteinander verbinden (irgendwann). Iquique selbst ein ruhiger Ort mit vielen hübschen farbigen Häusern erwartet uns, ebenso Bernhard und Werner von der SY Black Forest. Unsere Wege kreuzen sich das erste Mal im Süden Patagoniens, in Puerto Eden, und von da immer wieder. Sie sind Etappe für Etappe die chilenische Küste hoch gesegelt und können uns manch guten Tipp geben. Sobald ihre Ruderanlage repariert ist, wollen sie weiter nach Indonesien.

San Pedro Salar de Atacama Glockenturm ToconaoIquique MarinaIquique Plaza Prat
Wir schlendern gemeinsam durch die Fussgängerzone, der Plaza Arturo Prat, dem Teatro Municipal, dem Centro Espanol im maurischen Stil bis hinunter zum Paseo Baqueda, trinken ein Bier und einen Pisco Sour. (Pisco Sour ist ein Cocktail. Die Basisspirituose ist Pisco, ein Traubenschnaps, benannt nach der Stadt Pisco in Peru. Ob der Ursprung chilenisch oder peruanisch ist, darüber scheinen sich die beiden Länder nicht einig zu sein.)

AricaArequipa Santa Catalina GesangsbuchArequipa Santa Catalina
Den nationalen Feiertag in Chile verbringen wir in Iqique. Viele Rang hohe Armeeangehörige versammeln sich zu einem Umzug welcher am Quai mit Ansprachen und anderen Festivitäten endet. In den anderen Gegenden ist es ruhig und so gegeben wir uns Richtung Hafen, vorbei am Museumsschiff Corbeta Esmeralda zur SY Black Forest. Mit Hilfe von Hansueli wird ihr Satellitentelefon vorbereitet, damit auf hoher See die Wetterdaten abgerufen werden können. Für uns interessant ist, dass wir diesen Hafen anlaufen können, nochmals unsere frischen Vorräte aufstocken, ausklarieren und von da direkt nach Ecuador segeln können.

Arequipa Santa CatalinaArequipa Santa Catalina Arequipa Santa Catalina

Arica, Stadt des ewigen Frühlings (meiner Meinung nach etwas zu trocken für diesen Namen, wohl jedoch mit angenehmen Temperaturen ganz jährlich versehen) ist die älteste Stadt Chiles. Ihr Ursprung geht bis ins 6. Jahrhundert zurück. Die reichen Minenvorkommnisse sorgten nach der Eroberung durch die Spanier im 16. Jahrhundert für raschen Aufschwung. Arica gehörte einst zu Peru bis zur grossen Schlacht um den Morro (1880). In einem Abkommen wurde vereinbart, dass die Stadt 10 Jahre nach der Schlacht wieder zu Peru geht. Dies wurde jedoch nicht eingehalten und so wurde in einem weiterer Vertrag von Lima 1929 entschieden, dass Arica zu Chile, die Nachbarstadt Tacna jedoch wieder zu Peru geht.

Arequipa Santa CatalinaArequipa Vulkan El MistiArequipa Markthalle
Wir wandern zum Morro, einem Flaggen gekrönten 130 Meter hohen Felsen und geniessen von dort einen Rundumblick auf Stadt und Meer.
Bis jetzt haben uns die besuchten Meeresstädte, Antofagasta, Iquique, Arica mit bewölktem, nebligen und kühlem Wetter empfangen, so dass die kurzen Hosen und das Sommerkleid im Koffer bleiben.

Titicaca UrusTiticaca Aufbau UrusTiticaca Urus
Die Grenze zwischen Chile und Peru gilt es mit einem eigenen Fahrdienst zwischen Arica und Tacna zu bewältigen. Sobald ein Bus voll ist, fährt er ab, nicht ohne vorher das «boleto de embarque» erstanden zu haben, eine Gebühr die wir fortan in jeder peruanischen Busstation kaufen müssen. Es werden alle Pässe, resp. Ausweispapiere eingefordert, an der Grenze wird alles Gepäck aus dem Bus genommen, kontrolliert und dann fährt der Bus einige Meter weiter und alle Leute inkl. Gepäck steigen wieder ein.

Titicaca UrusTiticaca UrusTiticaca Puno
In Peru, mehr als in Chile, werden Strassenkontrollen ausserhalb der Landesgrenzen durchgeführt, für uns etwas gewöhnungsbedüftig.

Arequipa ist unser erster Halt (nach Tacna wo wir nur umsteigen) in Peru. Die Stadt ist umgeben von drei zum Teil Schnee bedeckten Vulkanen, dem Misti, Chuchani und dem Picchu Picchu, alle ungefähr 6000 m hoch und von majestätischer Schönheit. Sie ist eingebettet in eine ländliche Umgebung und liegt auf 2335 m im fruchtbaren Tal des Rio Chili. Die Fahrt führt uns durch eine aussergewöhnlich kontrastreiche Umgebung, von rauen Mondlandschaften, tiefen Schluchten, bis hin zu landwirtschaftlichen Zonen. Das erste Mal seit Beginn unserer Reise empfinde ich die Temperaturen angenehm was der geschichtsträchtigen Stadt zusätzliche «Plus-Punkte» gibt. Klöster, Kirchen, Kolonialbauten sind im Zentrum in rauen Mengen anzutreffen. Das Frauenkloster Santa Catalina ist eine Stadt in der Stadt und auch wenn die Klöster und Kirchen nicht unsere bevorzugten Ziele sind, sind wir beeindruckt von der «Ganzheit», der Ästhetik, dem Einfallsreichtum, den sorgfältig ausgedachten Details. Nur reiche Töchter, meistens die Zweitgeborenen, aus Spanien mit einwandfreiem Leumund wurden ins Kloster nach Arequipa gesandt und aufgenommen.
Am Stadtrand gehört die Plaza Yanahuares zu den ursprünglichsten Gegenden. Wir treffen es gut: ein Samstag, Tag der Hochzeiten (auch in Peru), Prozessionen zu Ehren irgend eines Heiligen, Einheimische die flanieren wie wir und genussvoll «queso helado» lutschen. Wir schauen einem Hochzeitspaar zu, welches inmitten von Musik und TänzerInnen begleitet einen Hochzeittanzweg absolviert und erschöpft und schwitzend einen fulminanten Endspurt hinlegt.

TiticacaTiticaca TaquileTiticaca Taquile
Titicaca Taquile FeldarbeitTiticaca TaquileTiticaca Taquile
Die Reserva Nacional del Titicaca, ein 36180 ha grosses Naturschutzgebiet, besuchen wir von Puno aus. Puno liegt auf 3827 m. Neben vielen Besuchern treffen wir auf eine indigene Bevölkerung, welche nördlich von Puno Quechua und südlich davon bis weit nach Bolivien Aymara spricht. In ihren traditionellen Kleidern ziehen die bunten Farben sowie die Menge der «Unterröcke», laut Nachfrage im Alltag mindestens drei, bei Festlichkeiten nochmals einige dazu, meine Aufmerksamkeit an. Frauen haben oft bis in die Taille geflochtene Zöpfe, welche am Ende horizontal miteinander verbunden werden. Erstaunlich ist, dass ich nie graue, sondern nur schwarze Haare sehe. Eine Erklärung ist, dass aus einer Pflanze gewonnene Seife das Ergrauen der Haare verhindert. Zu dem sehe ich des öfteren eine Art «Lausen», d.h. die grauen Haare werden untereinander ausgerupft. Es wird wohl auch genetische Wurzel haben und so bleiben solange sich die Ethnien nicht vermischen. Dies scheint jedoch vermehrt zu geschehen.

Titicaca TaquileTiticaca TaquileTiticaca Taquile
Die zahlreichen (über 30) schwimmenden Inseln der Uros werden je von einer Grossfamilie bewohnt. Der Besuch ist sehr touristisch organisiert, gibt uns jedoch trotzdem einen Einblick, wie die Inseln gebaut werden (eine Insel «lebt» zirka etwa 25 Jahre) sowie die Hütten, welche zirka alle 2-3 Jahre erneuert werden müssen. Aus Totora, einer Schilfart, wird fast alles hergestellt und verwendet, bis hin zum Nahrungsmittel. «Witzig» ist, oder auch etwas traurig, dass einige Uros unter ihren traditionellen Gewändern Adidas Trainingshosen tragen. Das Rad der Zeit hinterlässt (verständlicherweise) auch hier Spuren. Im Schilf werden in der Trockenheit Schweine gehalten, dazu ist die Fauna mit diversen Schwimm- und anderen Vogelarten reich bestückt. Die Uros sammeln die Eier der Vögel zum Verzehr ein.

Titicaca TaquilePucara StierLa Raya Pass 4338m
Isla Taquile, von Aymaras bewohnt, und auch als touristisches Ziel bekannt, erlebe ich ursprünglicher. In Terrassenanlagen werden Kartoffeln, Gerste, Quinoa (es gibt 27 verschiedene Sorten) angebaut. Ein Spaziergang von der Südspitze über eine Anhöhe führt uns zur gegenüberliegenden Seite. Ein herrlicher Rundumblick über den Titicacasee belohnt unsere Mühe, sind wir doch hier auf gut 3800 m.

La Raya Pass 4338mSicuaniRaqchi
Iglesia de AndahuaylillasAndahuaylillasCusco Fussgaengererziehung
Da die Strecke von Puno bis Cusco einiges über die verschiedenen «Reiche» vor der Kolonialisation der Spanier (ausser einer sehenswerten Kirche) bietet, beschliessen wir einen Spezialbus zu nehmen welcher an diversen Orten einen Stopp einlegt. Zudem fährt ein Führer mit, der uns allerlei Wissenswertes erklärt. In Pucarà wo die ersten Tonbrennereien zu finden sind, entdecken wir den glücksbringenden farbigen Tonstier, welcher uns fortan an vielen Orten begegnet. Im Alpaka-Institut UNSAAC werden Kreuzungsversuche unternommen um die Wollqualität der Andenkamele zu steigern. Wir legen einen Stopp auf dem 4338 m hohen La Raya Pass ein und werden von einem Angebot an teilweise wunderschönen Alpakasachen überschwemmt. Präinkaische Ruinen finden wir in Raqchi und in Checacupe besichtigen wir eine aus dem 17. Jahrhundert stammende Kirche, welche zu den schönsten in ganz Südamerika zählt und laut Führer der sixtinischen Kapelle in nichts nachsteht. Die Mauern sind zu dem mit vielen oben erwähnten Glückstieren verziert.

Cusco Plaza de ArmasCuscoCusco
Wir gelangen nach Cusco, dem idealen Ausgangspunkt für die sagenumwobene Inkastadt Macchu Pichu (Weltkulturerbe), welche erst im 20. Jahrhundert entdeckt wurde.

im Zug Richtung Machu Picchuim Zug Richtung Machu PicchuMachu Picchu
Cusco gefällt uns sehr gut, es ist voller Leben, schöner Plätze, präkolumbianischer und kolonialer Bauten. Besonders angetan haben uns das Museo Inka, die Quintas (Kolonialhäuser mit Innenhof), diverse plazas, wo wir bei angenehmen Temperaturen das Treiben der Menschen beobachten. Die Webkunst der Frauen imponiert mir. Es scheint keine aufgeschriebenen Vorlagen zu geben, sondern es wird von Generation zu Generation weiter vermittelt.

Machu Picchu SchmetterlingsgartenMachu Picchu SchmetterlingsgartenAufstieg zu den Ruinen von Machu Picchu
Auch hier ist die indigene Bevölkerung verkaufstüchtig geworden. Wir sehen viele in traditioneller Tracht, wenn möglich begleitet von einigen ihrer Kindern, das Wichtigste ist jedoch ein niedliches Alpakajunges. Damit lassen sie sich dann für ein Entgelt fotografieren.

Aufstieg zu den Ruinen von Machu PicchuAufstieg zu den Ruinen von Machu PicchuMachu Picchu
Machu PicchuMachu PicchuMachu Picchu
Machu PicchuMachu PicchuMachu Picchu
Die Reise von Cusco nach Machu Picchu ist schon beim Vorbereiten ein Abenteuer.
Die «richtigen» Eintrittskarten, sowie diejenigen von Cusco nach Aguas Calientes oder wie es seit etwa 70 Jahren heisst, Machu Picchu pueblo, zu erhalten ist nicht ganz einfach. Die Besucherzahl sowie die Besuchszeit der Ruinenstätte ist seit einigen Jahren beschränkt. Doch schon allein die Fahrt mit dem Zug, welcher zwar teuer ist, lohnt sich. Eine üppige Vegetation, abwechslungsreiche Flora und Fauna wechseln sich ab. Die Stätte selbst liegt auf einem breiten Bergrücken oberhalb des Rio Urubamba; ich hätte sie nie an einem solchen Ort erwartet. So gut getarnt ist sie eher zufällig zu Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckt worden. Unsere (meine) «Leistung» ist es, dass wir von Aguas Calientes zu Fuss 300 Höhenmeter und etwas mehr als drei km zurücklegen. Ein Schmetterlingsmuseum besuchen wir auf dem Weg. Der Fussweg besteht aus lauter ungleichmässig grossen Treppenstufen. Total erledigt gelange ich oben an und wage kaum zu denken wie viele Treppenstufen beim eigentlichen Besuch noch zu bewältigen sind. Beim Anblick der imposanten Anlage, welche angeblich der letzte Inkaherrscher, Atahualpa, für sich erbauen liess, vergesse ich meine Müdigkeit und geniesse das «Wunder» in vollen Zügen.

Machu PicchuMachu PicchuMachu Picchu
Machu PicchuRentnerdemo in CuscoCusco
Cusco Madonna92 CuscoLima
Die Busfahrt von Cusco nach Lima dauert gegen 22 Stunden. Damit wir so gut wie möglich schlafen können, ebenfalls als wegen unseres Alters zur Thromboseprophylaxe, buchen wir einen bis zu 180° verstellbaren Sitz. Kurvenreich ist der Weg, über verschiedene Pässe, durch Schluchten, einige Male hinauf bis auf über 4000 m und dann wieder bergab führt der Weg. Wir werden hin und her gerüttelt, eine «Vorübung» für die Weiterreise mit der Dada Tux?

LimaLima Huaca PucllanaLima Huaca Pucllana
Lima Huaca PucllanaLimaLima
Lima, die zweitgrösste Wüstenstadt der Welt, erwartet uns mit dem für diese Jahreszeit bekannten Nebel kühl und eher unfreundlich. Dafür entschädigt uns das gebuchte Hotel «El Patio», sehr zentral in Miraflores gelegen und trotzdem ruhig, mit einem blumig farbigen Innenhof. Doch schon bald lernen wir Lima schätzen. In Hotelnähe, im Parque 7 de Junio findet eine grosse internationale Blumenausstellung statt, im Parque Kennedy nebenan gibt es ein Katzenasyl wo man die Patenschaft einer oder mehrerer Katzen übernehmen kann. Ein Abendspaziergang zum Meer rundet den ersten Tag ab.
LimaLima Plaza MayorLima Demo vor Parlament
Mit dem Schnellbus fahren wir in die Altstadt und erleben dort wegen den aktuellen Wahlen in die Regierung diverse Demonstrationen von unterschiedlichen Parteien. Soviel wir verstehen geht es primär (wieder einmal) um die Korruption der Regierenden. So wird auch die Tochter des ehemaligen Präsidenten Fujimori stark angegriffen. Ein Stadtrundgang führt uns an vielen auf den ersten Blick wunderschönen Kolonialgebäuden und Kirchen vorbei. Auf den zweiten Blick ist die Mehrheit renovationsbedürftig und die hölzernen attraktiven Balkone sehe ich lieber nur von der Strassenseite her an. Verschiedene Museen stehen auf unserer Wunschliste, einige davon besuchen wir: Museo Nacional Afroperuano (interessant, einfach mit viel spanischen Texten), Lugar de la Memoria, la Tolerancia y la Inclusiòn Social (LUM), wunderschön in die Costa Verde eingebaut erzählt sie unter anderem die Geschichte des Leuchtenden Pfades mit all seinen Konsequenzen. Die Schweiz hat einen finanziellen Beitrag zu einer Ausstellung geleistet. Das Museo de Arte Contemporàneo enttäuscht mich. Ein Teil ist geschlossen, in zwei weiteren Räumen wird die Einwanderung von China Mitte 1900 (ca. 100`000) und die aktuellen Migrationsbewegungen von Venezuela, Kolumbien dargestellt.

Lima AltstadtLima LUMLima LUM
Lima LUMLima LUMLima
Eine Zeremonialpyramide aus der Limakultur, das Sitio Huaco Pucllana, besuchen wir mit einer Führung und erfahren einiges wissenswertes über dieses Volk. Das Quartier Barranco mit seinem bekannten Puente de los Suspiros (Seufzerbrücke) seinem künstlerischen Flair und den wunderschönen Häusern gefällt uns gut. Auf dem Hauptplatz erleben wir eine skurrile Situation. Eine Prozession voller violett (violett für Busse) gekleideter Menschen tragen zu lauter «Blasmusik» einen Schrein langsam der an der Plaza gelegenen Kirche zu. Nicht weit davon entfernt wringen zwei clowneske Gestalten um die Aufmerksamkeit. Und wenig weiter werden Aufnahmen gemacht von zwei jungen Paaren, die einen traditionellen Tanz vorführen. Mit unserer Bekannten Paola, einer Peruanerin, besuchen wir die Gegenden Callao und La Punta. Diese etwas herunter gekommenen nicht ganz ungefährlichen Gegenden haben jedoch ihren Charme. Wir trinken ein Bier hoch über den Dächern mit Blick auf den Pazifik, halten einen Schwatz mit dem Barmann, spazieren bis zu Landzunge la Punta und treffen uns später mit Irma, der Mutter von Paola. Ich trinke zum ersten Mal in meinem Leben einen Geraniumblättertee. Dieser soll meinen etwas angeschlagenen Magen gut tun, ein Rezept von Irma. Graçias. A propos Rezepte: Peru gilt als Paradies der Gastronomie, einige mit «Sternen» ausgezeichnete Köche sind zu finden. Eine Neuigkeit für mich ist, dass das Meerschweinchen (cuy) im ganzen Land eine echte Delikatesse ist, ebenso in Bolivien und Ecuador. Es soll reich an Proteinen und mit sehr Fett armem Fleisch sein. Viele Familien besitzen einen «Meerschweinchenstall» für den Eigenbedarf.

Lima HotelgartenLimaLima
Nun treten wir die Rückreise an (ca. 4300 km) – alles mit dem Bus und, soweit dies möglich ist, der Küste entlang. Eine der schönsten Strecken führt entlang der Ruta 1 (420 km) von Iquique bis Antofagasta. Einsame Buchten, vereinzelte Fischerdörfer, spektakulärer Ausblick auf Ozean und Berge sind zu bewundern. Nicht zu vergessen, zu Antofagasta zählend, die Halbinsel Mejillones mit dem 1290 m hohen Cerro Moreno. Dieser steht praktisch im Meer und wir erhaschen gerade vor Einbruch der Dunkelheit einen Blick darauf.

LimaLimaLima
Insgesamt verbringen wir drei Nächte im Bus, aufgeteilt in ein Mal Bus, ein Mal Hotel, zwei Mal Bus. Ich werde sogar eine Art «Bus krank», d.h es wackelt auch wenn ich nicht im Bus bin. Die Liegesitze sind recht bequem, es gibt Nachtessen, sogar vegetarisch auf Vorbestellung, und einen Morgentee meistens mit einem Brownie. Wir versuchen jedoch zwischen den Stopps die Füsse zu vertreten und an den entsprechenden Orten ein «Znacht» zu erhalten. All dies ist jedoch nicht zu vergleichen mit unserem Bett auf der Dada Tux und einem Müeslifrühstück. Müde von der Reise, jedoch reich an Eindrücken kehren wir nach knapp 4 Wochen nach Valdivia zurück. Ein strahlend blauer warmer Frühlingstag erwartet uns, die Bäume, Sträucher und Blumen beginnen in ihrer ganzen farbigen Pracht zu blühen.

LimaDie Entscheidung, uns spontan auf diese Landreise zu begeben war «richtig». Die Situation nach unserer unerwarteten Landreise ist folgende:
Das Holzboot liegt immer noch an Land und bedarf noch weiterer Reparatur, ungewiss wie lange. Wir wägen verschiedene Optionen ab. Weiter nördlich gibt es kaum einen Ort, wo wir das Boot herausnehmen können, zurück nach Puerto Montt wollen wir nicht. Wir verhandeln mit der Werft Alwoplast, unserem Nachbarn. Nicht sicher für uns ist, ob unsere Aussenmasse in ihren Travellift passen würden. Es scheint jedoch, nach abmontieren der Backstagen und der Amateurfunkantenne möglich zu sein. Der Termin steht (fast) fest. Die Unruhen in Chile, welche verschiedene Städte, auch Valdivia, betreffen, ändern wieder einmal die Pläne. Kurzfristig gehen wir früher aus dem Wasser, haben zwei sonnige Tage um die Arbeiten zu erledigen, am dritten Tag machen wir wieder in der Marina Estancilla fest. Es bleiben die Vorstagen etwas zu straffen, die beiden Vorsegel, den Windpiloten, sowie die Rettungsringe zu montieren, zwei Gasflaschen müssen aufgefüllt werden und unsere Vorräte auf zu stocken. In der Hoffnug, dass dies ungefähr in den nächsten zwei Wochen möglich ist und sich die Hamstereinkäufe verringern, sowie eine Beruhigung der politischen Situation stattfindet. Die geplante Route führt uns vorerst nordwärts bis Ecuador.

Sommer in Europa
 

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Freitag, 06. Dezember 2019

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